Gerüchte über die Ernährung:
Viele Gerüchte, Fehlinformationen oder veraltete Erkenntnisse ranken sich um die Ernährung unserer geliebten Vierbeiner. Wir haben versucht einigen davon auf den Grund zu gehen und wollen sie hier, aus unserem Verständnis heraus, kommentieren. (wir versuchen diese Rubrik ständig zu erweitern)
„Der Chow verträgt Protein schlecht und sollte proteinarm ernährt werden.“
Natürlich kommen Eiweißunverträglichkeiten bei Hunden vor, sie sind allerdings recht selten. Eine Eiweißüberversorgung führt bei allen Hunden zu Problemen, unabhängig von der Rasse. Wieso also, sollte der Chow Protein schlecht vertragen? Unserer Recherche zufolge, kommt dieses Gerücht daher, dass der Chow früher in Asien vegetarisch gemästet wurde, weil er zum Verzehr gedacht war. Auf Evolutionsebene gesehen spielen ein paar hundert Jahre allerdings keine Rolle. Nachweislich besitzt der Chow (genau wie alle anderen Hunde) immer noch den Organismus und Verdauungstrakt eines Fleischfressers.
Viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist die Qualität und Verdaulichkeit des Eiweißes, und der körperliche Bedarf daran. Die meisten Unverträglichkeiten in diesem Zusammenhang kommen vom Anteil an unverdaulichem Protein. Bei hochwertigem Trockenfutter liegt der Anteil an verdaulichem Protein bei ca. 80%. Ein Hund braucht durchschnittlich 2-3 Gramm verdauliches Protein pro kg Körpergewicht pro Tag. Da das Eiweiß hauptsächlich zur Aufrechterhaltung von Muskeln und Sehnen benötigt wird, sollte man auf keinen Fall zu wenig zuführen. Je nachdem wie aktiv ihr Chow ist, sollten sie den Bedarf mit 2 oder 2,5g pro kg Körpergewicht berechnen und dieses auch zuführen.
Als kleines Beispiel: Ihr Chow wiegt 25kg und ist eher bewegungsunfreudig, dann benötigt er ca. 50g verdauliches Protein pro Tag. Bei einem Anteil von ca. 80% verdaulichem Protein im Futter müssen also 62,5g Gesamtprotein zugeführt werden. Ob sie jetzt 208g von einem Futter mit 30% Rohprotein oder 312g von einem Futter mit 20% Rohprotein füttern, macht für das Protein keinen Unterschied. Sie werden bei dem Futter mit niedrigem Proteingehalt eher das Problem haben, dass ihr Chow zunimmt, weil durch den Kohlenhydratanteil der Energiewert des Futters in ähnlicher Höhe liegt, wie bei dem Futter mit hohem Proteingehalt, sie aber mehr davon füttern müssen. Diätfutter mit niedrigem Energiegehalt sind hier natürlich ausgenommen.
„Von zu viel Rohprotein wächst der Welpe/Junghund zu schnell.“
Ein Hund wächst durch die ihm zugeführte Energie. Die Hauptenergielieferanten sind Fett und Kohlenhydrate (Eiweiß nur, wenn Fett und KH zu wenig sind, es muss nämlich in der Leber umgewandelt werden). Eiweiß ist wichtig für den Aufbau von Muskeln und Organen und sollte daher für den Junghund ausreichend vorhanden sein.
Das Problem ist (und damit hat diese Aussage wieder durchaus ihre Richtigkeit), dass Eiweiß und Fett zusammenhängen. Also wird es kaum ein Futter geben, welches einen hohen Eiweißgehalt und einen niedrigen Fettanteil hat. Der Fettanteil sollte 15% nicht überschreiten, besser etwas darunter liegen. Meistens haben diese Futter dann einen Rohproteingehalt von ca. 25% und sind damit gut geeignet.
„Trockenfutter hilft gegen Zahnbelag/Zahnstein.“
Die wohl beste Marketingstrategie der Futtermittelhersteller. Wenn der Hund die Trockenfutterpellets nicht sowieso schlingt, so spaltet er sie maximal mit der Spitze seiner Zähne. Abrieb oder zahnreinigende Wirkung ist da nicht vorhanden. Von hochwertigem Feuchtfutter bekommt der Hund genauso viel oder wenig Zahnstein wie von hochwertigem Trockenfutter.
„Wenn Hunde roh gefüttert werden jagen sie öfter.“
Die Grundidee hinter dieser Aussage ist, dass der Hund durch das rohe Fleisch den Geruch von Wild aufnimmt, und dieses dann als Nahrung und somit „jagenswert“ erkennt. Das ist natürlich absoluter Schwachsinn, sonst dürfte man ja keinem Hund das Jagen mittels Echtfell-Dummy abgewöhnen. Oder würde der Hund bei Rindfleischfütterung beginnen, Rinder zu jagen? Und wie ist das bei Sichtjägern? Außerdem ist bei den meisten Hunden das Hetzen die selbstbelohnende Aktion und nicht das Erlegen der Beute.